Den Bildungsscheck in der Hand.

BILDUNGSSCHECK ABC

Ein Erfahrungsbericht aus erster Hand

Eigentlich würde man gern die Fortbildung besuchen, aber irgendwie ist sie ein bisschen zu teuer. Gut, dass es in NRW die sog. Bildungsschecks gibt. Den können Arbeitnehmer einmal pro Jahr beantragen und bekommen 50% ihrer Fortbildungskosten erstattet. Klingt gut. Aber wie bekommt man den Bildungsscheck jetzt ganz konkret? Online schon mal nicht… Ein Erfahrungsbericht.

Ich möchte mich im Bereich WordPress fortbilden. Da meine Fragen ziemlich konkret sind und ich am liebsten auch an der eigenen Instanz arbeiten würde, habe ich mir meinen Schulungsanbieter genau dafür ausgeguckt und schließlich ein Angebot für einen eintägigen Individual-Workshop bekommen. 890 Euro sollte das Ganze kosten. Da klingelte es bei mir im Kopf: Es gibt doch diese Bildungsschecks, mit denen man die Hälfte der Fortbildung finanziert bekommt. Ich wusste sogar schon, dass die Finanzierung maximal 500 Euro betragen würde. Bei meinem Workshop könnte ich bzw. mein Arbeitgeber also gut sparen.

Aber, wie kriege ich jetzt so einen Bildungsscheck?

Schritt 1: Anruf beim Schulungsanbieter

Ich habe also bei meinem Schulungsanbieter angerufen und nachgefragt, ob dort Bildungsschecks überhaupt akzeptiert werden. Ja. Wunderbar! Nächste Frage: Wo kriege ich den denn? Praktisch wäre ja, wenn ich den einfach online beantragen könnte. Dem ist aber nicht so. Stattdessen gibt es verschiedene Beratungsstellen, bei denen man so einen Scheck beantragen kann. Persönlich, vor Ort.

Eine Beratungsstelle war fix gefunden. In meinem Fall die IHK Bielefeld. Aber es gab in unmittelbarer Umgebung noch ca. 5 weitere Stellen, daran sollte es also nicht scheitern.

Schritt 2: Anruf bei der IHK

„Ich würde gern einen Bildungsscheck beantragen, was muss ich tun?“ eröffne ich das Gespräch. Leider kann die Person am anderen Ende dazu keine Auskunft geben, die zuständigen Kollegen sind entweder grad zu Tisch oder im Gespräch. Ich würde aber zurückgerufen werden. Das klappte auch – sogar am gleichen Tag.

„Wann soll die Fortbildung denn stattfinden?“ Das war bei besagtem Rückruf die erste Frage meiner Beraterin. Mitte Februar. „Dann müssen wir uns aber beeilen“, sagt sie. Warum? Ich lerne, dass das Beratungsgespräch vor dem Beginn der Fortbildung stattfinden muss und es vor Mitte Februar gar nicht mehr so viele Termine gibt. Wir finden aber einen und ich bin mir meiner Sache schon ziemlich sicher. Bis…

„Den Beratungstermin nimmt Ihr Geschäftsführer wahr?“ Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich will ja schließlich den Bildungsscheck haben. Zwar zahlt mein Unternehmen die Differenz, aber ich glaube kaum, dass mein Chef dafür in die IHK marschieren möchte. Muss er schlussendlich auch nicht. Ich brauche aber eine Vollmacht, die besagt, dass ich sämtliche Aspekte des Beratungsgesprächs wahrnehmen kann. Warum ist das wichtig? Weil im Rahmen des Gesprächs auch unterzeichnet wird, dass mein Arbeitgeber die übrigen Fortbildungskosten trägt. Alles klar.

Jetzt ist alles geklärt, denke ich. Meinem Scheck steht nichts mehr im Weg. Oder…?

„Was ist denn das eigentlich für eine Fortbildung?“ möchte meine Beraterin noch wissen. Ich erkläre ihr, welchen Job ich bei uns im Unternehmen habe – Marketing – und das ich auch für unsere Webseite zuständig bin. Die Fortbildung zielt darauf ab, dass ich diese künftig besser betreuen kann. „Wunderbar, das passt,“ resümiert sie.

Klasse, denke ich. Trage mir den Beratungstermin im Kalender ein und will schon auflegen. Da…

„Aber das ist kein Einzeltraining, oder?“ fragt sie.

„Doch“, antworte ich wahrheitsgemäß.

„Einzeltrainings werden nicht gefördert.“

„Bitte was?“

„Es muss ein Gruppentraining sein.“

Ich lerne, dass 2 Personen schon als Gruppe gelten und es auch ok ist, wenn die Schulung Inhouse bei uns stattfindet. Ich brauche also bloß einen Sparingspartner aus unserem Unternehmen. Der war leicht gefunden und meine Fortbildung damit wieder förderfähig.

Schritt 3: Anruf beim Schulungsanbieter – neues Angebot anfordern

Ich fordere also bei meinem Schulungsanbieter ein zweites Angebot an, diesmal für einen WordPress Workshop für zwei Personen.

Schritt 4: Unterlagen zusammenstellen

Für mein Beratungsgespräch reicht meine bloße Anwesenheit übrigens nicht aus. Ich muss einiges mitbringen:

  • Unterlagen zur geplanten Fortbildung. Es muss ersichtlich sein, welche Fortbildung ich besuchen möchte, wie viele Personen daran teilnehmen und was das ganze kostet.
  • Unternehmensdaten (Adresse, Anzahl der Beschäftigten (männlich/weiblich), Wirtschaftszweigzugehörigkeit, Kammerzugehörigkeit, Betriebsnummer)
  • Personalausweis
  • Datenschutzrechtliche Erklärung (wurde mir im Vorfeld per Mail zugeschickt und musste von mir nur ausgefüllt werden)
  • Vollmacht von meinem Chef, damit ich das Beratungsgespräch selbst durchführen darf

Schritt 5: Das Beratungsgespräch

Pünktlich um 16 Uhr stehe ich in der IHK und bin bereit für mein Beratungsgespräch. Ein bisschen neugierig bin ich auch.

Ich werde von meiner Beraterin abgeholt und in einen Besprechungsraum mit PC geführt. Dort flimmert bereits ein Formular auf dem Bildschirm, das nur darauf wartet ausgefüllt zu werden. Interessanterweise ist es genau das gleiche Formular, das ich bereits per Zettel und Stift ausgefüllt habe. Warum nicht gleich online? Naja… egal.

Wir gehen sämtliche Punkte noch einmal durch. An der einen oder anderen Stelle bin ich unsicher, was ich ankreuzen soll. Meine Beraterin führt diese Gespräche offenbar nicht zum ersten Mal und leitet mit geschickt durch den Fragebogen. Sie überträgt die eingereichten Unternehmensdaten, vergewissert sich noch einmal, dass dort weniger als 250 Beschäftigte angestellt sind und erklärt, dass jedes Jahr nur 10 Bildungsschecks pro Unternehmen beantragt werden können. Ich bestätige alles, gebe noch einmal Auskunft zur geplanten Fortbildung, zeige ihr das entsprechende Angebot und zack: mein Bildungsscheck wird gedruckt.

Um 16:15 Uhr verlasse ich die IHK – mit meinem Bildungsscheck. Den kann ich jetzt übrigens einfach bei meinem Schulungsanbieter einreichen, sodass mein Unternehmen letztendlich nur eine Rechnung über die Hälfte der Fortbildungskosten erhalten wird. Der Rest wird vom Land NRW übernommen.

Fazit

Tatsächlich war es etwas komplizierter als gedacht, einen Bildungsscheck zu beantragen. Andererseits: Jetzt weiß ich wie es geht, was ich benötige und worauf geachtet werden muss. Beim nächsten Mal wird’s einfacher – im nächsten Jahr. Denn jeder Arbeitnehmer kann pro Jahr nur einen Bildungsscheck beantragen. Aber da fällt mir ein: 9 meiner Kollegen können sich noch in diesem Jahr fördern lassen…

Infobox Bildungsscheck

Gefördert werden bis zu 50% der Fortbildungskosten, max. jedoch 500€.

Voraussetzungen Unternehmen

  • Unternehmenssitz = NRW
  • weniger als 250 Beschäftigte
  • max. 10 Bildungsschecks pro Jahr pro Unternehmen

Voraussetzungen Fortbildung

  • Dauer = mind. 1 Tag (mehr als 6 Stunden)
  • Gruppentraining (mind. 2 Teilnehmer)
  • Bezug zur Berufsausübung
  • bei Inhouse-Schulungen muss ein externer Trainer die Veranstaltung führen

Einzureichende Unterlagen

  • Personalausweis
  • Unterlagen zur geplanten Fortbildung
  • Unternehmensdaten
  • Datenschutzrechtliche Erklärung
  • ggf. Vollmacht
  • On 7. Februar 2019
Tags: Bildungsscheck, Blogbeitrag, Förderung
array(14) { [0]=> string(10) "_edit_lock" [1]=> string(10) "_edit_last" [2]=> string(7) "gallery" [3]=> string(17) "_wpb_vc_js_status" [4]=> string(26) "_wpb_shortcodes_custom_css" [5]=> string(26) "_yoast_wpseo_content_score" [6]=> string(29) "_yoast_wpseo_primary_category" [7]=> string(13) "_thumbnail_id" [8]=> string(27) "use_featured_image_as_photo" [9]=> string(20) "_yoast_wpseo_focuskw" [10]=> string(18) "_yoast_wpseo_title" [11]=> string(21) "_yoast_wpseo_metadesc" [12]=> string(20) "_yoast_wpseo_linkdex" [13]=> string(12) "_wp_old_date" }